Wave Graphic

Selbstverteidigung für mehr Sicherheit

Wenn es darum geht, sicher alleine unterwegs zu sein, ist es auch wichtig zu wissen, wie man sich gegen einen körperlichen Angriff verteidigen kann. Das ist ein besonders unangenehmes Thema vor allem für die, die noch nie in ihrem Leben jemanden körperlich verletzt haben. Dementsprechend sind auch der Schock und die Hemmungen groß, sich gegen einen Übergriff zu wehren und jemanden zu schlagen oder zu treten. In den meisten Situationen hast du jedoch eine realistische Chance dich selbst zu befreien.

In diesem Artikel geben wir dir Tipps, wie du dich gegen einen Angriff wehren kannst und zeigen dir, was du in einem Selbstverteidigungskurs lernst.

Was ist bei der Selbstverteidigung erlaubt?

Du hast selbstverständlich das Recht, dich zu selbst zu verteidigen und einen gegenwärtigen, rechtswidrigen Angriff abzuwehren (Notwehr). Die Abwehrhandlung muss jedoch der Situation angemessen sein und Gewalt darf keinesfalls leichtfertig angewendet werden. Bitte bedenke, dass du auch als Laie den Angreifer schwer verletzen kannst. In einem Selbstverteidigungskurs wirst du für die Anwendung von Gewalt sensibilisiert und lernst, wie du in verschieden Situationen korrekt reagierst.

Wie kann ich mich gegen einen körperlichen Angriff wehren?

Schäme dich nicht.

Es muss dir nicht peinlich sein, dem potentiellen Angreifer deine Grenzen laut und deutlich aufzuzeigen. Es ist immer besser zu früh als zu spät zu handeln. Sollte sich die Situation doch als harmlos herausstellen, kannst du vielleicht darüber lachen.

Tritt selbstbewusst auf.

Nimm eine aufrechte und selbstbewusste Haltung ein. Schaue nicht nach unten, sondern blicke ernst nach vorn. So wirkst du stark und signalisierst, dass du kein leichtes Opfer bist. Wenn dich jemand belästigt oder angreift, sei so laut du kannst und benenne den Übergriff genau: 

“Lassen Sie mich durch!” 
“Nehmen Sie Ihre Hände von mir!”

Sprich Passanten direkt an und bitte sie um Hilfe. Dabei solltest du benennen, was dir an der Person auffällt, damit sie sich angesprochen fühlt:

“Sie mit der gelben Jacke, helfen Sie mir, ich werde belästigt!”

Je öfter du deine Forderungen wiederholst, desto größer ist die Chance, dass der Angreifer dich in Ruhe lässt und andere Menschen dir zur Hilfe eilen.

Lauf weg.

Bei einem Übergriff ist die Flucht meist die schnellste und beste Lösung. Nimm dir das Entkommen als Ziel und vermeide einen Kampf.

Nimm einen sicheren Stand ein.

Halte einen sicheren Stand, um nicht geschubst zu werden und auf den Boden zu fallen. Besonders gefährlich sind Stürze für Frauen, die meist viel kleiner und leichter als Männer sind und sich daher kaum wehren können, wenn sie zu Boden gedrückt werden.

Strecke deine Arme aus.

Strecke deine Arme vor deinen Körper und halte deine Hände schützend vor dich. So signalisierst du dem Angreifer “Stopp!”. Lass die Gegenstände fallen, die du noch in den Händen hältst und nicht für die Selbstverteidigung gebrauchen kannst.

Verschaffe dir Zeit.

Da der Angreifer dir wahrscheinlich körperlich überlegen ist, ist es wichtig Zeit für deine Flucht zu gewinnen. Du kannst ihm kurzzeitig die Sicht rauben, indem du deine Finger in die Augen des Angreifers drückst. Du kannst den Angreifer auch durch starke Schmerzreize aus dem Konzept bringen, indem du ihm Finger in den Hals unter den Adamsapfel stichst, die Ohren so stark wie möglich nach unten ziehst oder ihn mit deinen Fingernägeln kratzt. Durch einen Schlag mit Handballen von unten gegen die Nase löst du sehr starke Schmerzen und Augentränen bei dem Angreifer aus.

Wehre dich mit Schlägen und Tritten.

Wenn der Täter immer noch nicht von dir ablässt, dann wehre dich stärker mit Schlägen und Tritten. Eine Studie der Polizei hat ergeben, dass die meisten Täter den Angriff wieder abbrechen, wenn sich das Opfer massiv wehrt. Schlage dabei mit der Handfläche oder -kante oder dem Ellenbogen zu. Benutze nicht deine Faust, da die Verletzungsgefahr an den Knochen und Gelenken sehr groß ist. Ziele auf empfindliche Körperstellen wie das Gesicht, den Hals, die Rippen, die Genitalien, die Knie oder die Schienbeine des Täters. Du kannst auch Alltagsgegenstände wie Handtaschen, Schlüssel, Regenschirme oder Einkaufstüten zur Verstärkung nutzen. In unserem Artikel Der Einsatz von Pfefferspray: Erlaubt oder nicht erlaubt? Wir klären dich auf informieren wir dich über die Wirkung und Risiken von Pfefferspray und anderen Selbstverteidigungsmitteln.

Was lerne ich in einem Selbstverteidigungskurs?

Zusätzlich zu diesen grundlegenden Tipps können Selbstverteidigungskurse sehr hilfreich für dich sein. Durch die Vorbereitung auf einen Übergriff kannst du im Ernstfall routiniert handeln und verfällst nicht in eine Schockstarre. Die wichtigsten Inhalte eines Selbstverteidigungskurses sind:

Selbstbehauptung

Das Ziel der Selbstverteidigungskurse liegt darin, dir ein selbstbewusstes Auftreten beizubringen. Du lernst, wie du dich selbst behaupten und deine Grenzen klar setzen kannst. Du merkst auch, dass du eine realistische Chance hast, dich selbst aus einem Angriff zu befreien. So wirst du im besten Fall gar nicht mehr als potentielles Opfer wahrgenommen oder angegriffen. 

Prävention

Es ist wichtig, Gefahrensituationen rechtzeitig zu erkennen und auf das eigene Bauchgefühl zu hören. Im Selbstverteidigungskurs lernst du, wie du angemessen auf bestimmte Situationen reagierst und somit Konfrontationen vermeidest. 

Übung

Zusammen mit den erfahrenen Trainern und anderen Kursteilnehmern übst du verschiedene Abwehrtechniken, wie verbale Reaktionen, Schlag- und Tritttechniken, den Einsatz von Pfeffersprays und anderen Selbstverteidigungswaffen und die Befreiung aus Würge- und Klammergriffen. Durch ein regelmäßiges Training kannst du auch deine Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit erhöhen. 

Welche Techniken zur Selbstverteidigung gibt es?

Wähle einen Kurs aus, der zu deinen Bedürfnissen passt. Die Gefahren, die Frauen, Kinder oder Senioren begegnen können, unterscheiden sich deutlich voneinander. Auch, wenn Männer meist eher in der Angreiferrolle stecken, können auch sie Opfer eines Übergriffs werden. Deshalb werden verschiedene Selbstverteidigungskurse für Frauen, Männer, Senioren, Kinder und Jugendliche angeboten.

Empfehlenswerte Arten der Selbstverteidigung sind Krav Maga und Wing Tsun. Krav Maga ist ein israelischer Kontaktkampf, der relativ leicht und schnell erlernt werden kann und sich in Alltagssituationen gut anwenden lässt. Auch Wing Tsun ist leicht erlernbar und zielt auf eine reflexhafte Selbstverteidigung ab. Die klassischen Kampfkunstarten wie Kung-Fu oder Karate eignen sich weniger zur Selbstverteidigung, weil sie einen etwa gleichstarken Gegner voraussetzen und viel Wert auf Ästhetik und Ehre legen. In der Realität läuft ein Angriff allerdings nicht fair oder nach Regeln ab. 

Wo kann ich einen Selbstverteidigungskurs machen und wie lange dauert er?

Selbstverteidigungskurse werden meist in Volkshochschulen oder Sportvereinen angeboten. Manche finden als intensiver Wochenendkurs statt, die meisten dauern aber mehrere Wochen oder Monate. Das ist auch sinnvoll, da du erst bei regelmäßigem Training das Gelernte vertiefen und dich nebenbei noch fit halten kannst. Um eine gute Kampfsportschule in deiner Nähe zu finden, solltest du am besten darauf achten, dass sie zu einem anerkannten Sportverband gehört. Einen Wing Tsun Kurs kannst du bei der Europäischen Wing Tsun Organisation suchen. Krav Maga Schulen der Organisation Krav Maga Global findest du hier.

Du möchtest mehr Sicherheitstipps?

Folge unseren Social Media Channels!

Thank you! Your submission has been received!
Oops! Something went wrong while submitting the form.